Berlin, 
24.01.2015 - 28.02.2015

Zwischenwelten

In der ersten Ausstellung des neuen Jahres zeigt die Galerie Forum Amalienpark von den drei Künstlern Joachim Dunkel, Margot Sperling und Siegfried Völker eine bemerkenswerte Auswahl an Plastiken, Zeichnungen, Grafiken und Malerei. Zwischen diesen Künstlern liegen Welten. Sie befassen sich jeweils mit anderen Themen und arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Zugleich liegen sie dicht beieinander, weil ihnen mit ihren Werken eine glaubhafte Verbindung zwischen den Welten gelingt, die ihre Kommunikationsflüsse eigentlich längst abgebrochen haben.

Joachim Dunkel: Kreuzigungsgruppen

Der Bildhauer und Zeichner Joachim Dunkel ist 2002 in Berlin verstorben. 2015 hätte er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er studierte zunächst Grafik und Illustration bei Eva Schwimmer und hospitierte in der Bildhauerklasse bei Bernhard Heiliger an der Kunsthochschule Weißensee. Mit dem Weggang Bernhard Heiligers 1949 an die Charlottenburger Kunsthochschule, wechselte auch Dunkel von Ost nach West. Der Künstler entwickelte bald einen unverkennbaren Stil, wobei es die Lebewesen waren: Menschen, Tiere und Mischwesen, die ihn zeitlebens interessierten. Die grausamen Hinrichtungsszenen in seinen plastischen Kreuzigungsgruppen aus dem Zeitraum 1965 und 2002 haben die erlebten Schrecken des 20. Jahrhunderts wieder aus der kollektiven Verdrängung hervorgeholt.

Margot Sperling: Stillleben

Die Malerin Margot Sperling, 1939 in Lablachen (Ostpreußen) geboren, feierte letztes Jahr ihren 75. Geburtstag. Nachdem sie Kunsterziehung in Greifswald studiert und in Laage gearbeitet hatte, ging sie an die Kunsthochschule Berlin Weißensee. Seither lebt und arbeitet sie in Berlin. Und seither fasziniert sie in ihren Stillleben immer wieder mit klaren, überschaubaren Formen und einer ausgewogenen Disziplin in der Wahl der künstlerischen Mittel. Das vertraute Umfeld von Atelier und Wohnraum liefert der Künstlerin ständig Anlass, vorgefundene Formen aufzugreifen und neu zu ordnen. Ihre Malerei ist von einer Art poetischer Leidenschaft getragen, die zwischen hellen und dunklen Ausdruckswerten changiert und daraus ihre Lebendigkeit bezieht. Es gibt keinen Vorsatz, keine Neigung oder traditionelle Hinwendung zu einer irgendwie vorbestimmten Poesie oder Stilistik. 

Siegfried Völker: Seh-Zeichen

Der Maler und Grafiker Siegfried Völker, 1947 auf Rügen geboren, studierte zunächst Physik und Philosophie, bevor er zur Malerei fand und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee sein Studium absolvierte. Siegfried Völker vollzieht Meisterliches auf dem Gebiet der Reduktion, wenn er aus eigenen, meist malerischen Kunstäußerungen einzelne Erscheinungsformen aufgreift und sie auf ein wesentliches grafisches Maß zurückführt bzw. alles überwindet, was vom Wesentlichen ablenken würde. Abhängig von Stimmungen oder Eindrücken bleibt ein Substrat, ein Seh-Zeichen zurück, welches sein augenblickliches „Ich“ neu sichtbar macht.

Die Arbeiten der Künstler in der Ausstellung öffnen Zwischenwelten, ästhetische Räume, in denen bisher Vertrautes so aufeinander trifft, dass es neu oder fremd erscheint – malerisch und grafisch, abstrakt und poetisch, sinnlich und brutal.

Einladung Die Ausstellung eröffnet am Freitag, den 23. Januar 2015, um 1930 Uhr. Die Eröffnungsrede hält die Kunstwissenschaftlerin Dr. Simone Tippach-Schneider.

Donnerstag, 19. Februar 2015, 19.00 Uhr
Völker liest : »Tage aus dem Leben des Siegfried Georg August«

Galerie Forum Amalienpark
www.amalienpark.de
Breite Str. 2a
13187 Berlin

Öffnungszeiten
Di-Fr: 14–19 Uhr
Sa: 11–16 Uhr


Joachim Dunkel, Kreuzigung (V), 1971/72, Bronze auf Holzblock

Margot Sperling, »Stilleben« 2011, Öl auf Pappe

Siegfried Völker, »Zwei Häuser« 2005, Collage