Die Nähwirktechnik von Heinrich Mauersberger wird heute noch in der Industrie und der Raumfahrt genutzt. Der Erfinder von Malimo starb 1982 in Bestensee bei Berlin. Die Gemeinde verlieh ihm am 5. Februar 2009 zum 100. Geburtstag die Ehrenbürgerschaft.

DDR-Alltag

Werbeplakat 1967, Schriftzeichen: Fritz Deutschendorf

Werbefigur 1967, Gestalterin: Erika Nerger

Malimo

1948 hatte der Ingenieur Heinrich Mauersberger aus dem sächsischen Limbach (Kreisstadt bei Chemnitz) ein neues Verfahren zur Produktion von Molton (beidseitig gerautes flanell- bis fliesartiges Gewebe) entwickelt. Dabei wurden kreuzweise übereinandergelegte Fäden mit weiteren Fäden übernäht und zu einem Stoff verfestigt, den der Erfinder „Malimo“ nannte. Aus dem „Ma” von Mauersberger, dem „Li” von Limbach und dem „Mo“ von Molton setzte sich der Begriff „Malimo” zusammen. 1949 meldete Mauersberger die neue Technologie beim Erfindungs- und Patentamt der DDR an. Zehn Jahre später wurde mit diesem Verfahren weitaus mehr als nur Molton produziert. „Malimo siegt!” soll Walter Ulbricht (zu dieser Zeit Vorsitzender des Staatsrates der DDR und Generalsekretär des ZK der SED) ausgerufen haben, nachdem er das Malimo-Angebot auf der Leipziger Messe gesehen hatte.

Malimo-Maschinen und -Anlagen

Verschiedene Neuentwicklungen, wie z.B. die Stoffe Malimo-Teddy (100 Prozent Wolpryla), Malimo-Elastik (65 Prozent Viskose, 29 Prozent Baumwolle, 6 Prozent Polyamidseide), Malimo-Jersey (50 Prozent Wolle, 50 Prozent Viskose) und Malimo-Druckstoffe (100 Prozent Viskose) kamen auf den Markt. Malimo-Stoffe für Kleider wurden aus Kammgarn (lange, gekämmte Fasern) oder Streichgarn (kürzeres Fasermaterial) hergestellt. Sie wurden als knitter- und bügelarm, leicht, wärmespeichernd und formbeständig angepriesen. 1964 hat der Warenzeichenverband für Nähwirkmaschinen und Nähwirkerzeugnisse der DDR e.V. in Karl-Marx-Stadt beim Patentamt das Warenzeichen „Malimo“ für alle Malimotextilien und alle Malimo-Maschinen und -Anlagen angemeldet. Den Schriftzug hatte der Grafiker Fritz Deutschendorf gestaltet. Das Warenzeichen „Malimo” stand nun für alle Stoffe, die auf Malimo-Maschinen hergestellt wurden. Zeitgleich wurde eine neue Begründung für den Namen „Malimo“ gegeben, bei der der Begriff „Molton“ nicht mehr Teil des Namens war. Da seit 1950 die sächsischen Gemeinden Limbach und Oberfrohna ein Ort waren, konnte „MA“ für Mauersberger, „LIM“ für Limbach und „O“ für Oberfrohna stehen.

Malimo macht Mode

1963 wurde der Warenzeichenverband für Nähwirkmaschinen und Nähwirkerzeugnisse der DDR e.V. gegründet, eine Malimo-Umfrage durchgeführt und ein ständiger Werbedienst für Malimo ins Leben gerufen. Die Umsetzung der Werbepläne hatte die DEWAG-Werbung in Karl-Marx-Stadt übernommen. Der Werbedienst konzentrierte sich in der Malimo-Werbung auf Plakate, Anzeigen, Prospekte, Preisausschreiben, Presseinformationen und Werbefilme. Darin wurde für Malimo-Handtücher, Malimo-Badebekleidungen und Malimo-Oberbekleidung geworben. In einem Schaufenster im „Warenhaus des Friedens“ in Leipzig hieß es 1963 bei der Präsentation von Badeartikeln „Jeder Meter Malimo – modisch – mollig – farbenfroh“. Die Grafikerin und Buchillustratorin Inge Uhlich hat mit ihren Zeichnungen die ersten Jahre der Malimo-Werbung grafisch bestimmt. Zwischen 1964 und 1966 wurden in Schaufenstern und Werbefilmen der Slogan „Malimo – Zeichen für Güte und textilen Fortschritt” und eine Werbefigur (Pinguin) verwendet. Im Februar und März 1965 wurden die englische Zeitschrift „news“, die französische Illustrierte „nouvelles“ und die arabische Zeitschrift „Al Matschalla“ mit Schutzumschlägen aus Malimo versehen. Die Umschläge waren vierfarbig bedruckt, zweimal gefaltet und konnten als Servietten oder Tischtücher weiterverwendet werden. In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre konnte in vielen Konfektionsbetrieben Malimo in Bezug auf die Verwendung in der Mode weiterentwickelt werden. 1967 stellte man mit dem Slogan „Malimo macht Mode“ in der Werbung einen deutlichen Zusammenhang von moderner Oberbleidung (Kleider, Mäntel und Röcke) und Malimo her. Außerdem wurde mit Meister Malimo eine neue Werbefigur eingeführt. Der Stoff konnte sich aber in der Mode nur begrenzt durchsetzen. Erfolgreicher war er als Gebrauchstextil, u.a. für Arbeitsbekleidung, Geschirrtücher und  Gardinenstoffe.

Meister Malimo

Das erste Verbandszeichen des Warenzeichenverbandes für Nähwirkmaschinen und Nähwirkerzeugnisse der DDR e.V. im sächsischen Hohenstein Ernstthal war ab 1963 ein stilisierter Vogel, der auch in den ersten Werbefilmen für Malimo-Produkte auftrat.

Im Juli 1966 wurde die Figur eines Malimo-Schneiders beim Erfindungs- und Patentamt der DDR angemeldet. Die Figur hatte die Gestalterin Erika Nerger entworfen. Die Puppe entstand im Puppenstudio des Deutschen Fernsehfunks. Sie bestand aus einer Drahtkonstruktion, ließ sich daher beliebig bewegen und war mit Malimo-Textilien bekleidet. In der Redaktion des Werbefernsehen erhielt sie den Namen „Meister Malimo“ und wurde mit dem Spruch: „Der Meister spricht von Malimo, denn Malimo hat Weltnivau“ bekannt.

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