Berlin, 
04.08.2012 - 01.09.2012

Herbert Bergmann-Hannak in der Galerie Amalienpark

Eine umfassende Retrospektive des künstlerischen Werks vom 90jährigen Berliner Malers Herbert Bergmann-Hannak ist jetzt Gegenstand einer Ausstellung in der renommierten Galerie Forum Amalienpark in Pankow. Unter dem Titel „Ein Welttheater nach eigener Fasson“ werden ab 4. August 2012 über 100 Arbeiten aus vier Jahrzehnten zu sehen sein.

Herbert Bergmann-Hannak arbeitet gerne mit eigenwilligen Mitteln wie Kugelschreiber und Filzstift auf unkonventionellen Malgründen wie alten Rechnungen. Seine Bilder gegen Krieg und Militarismus, zu Religionen oder Theaterstücken beruhen auf einer anarchistischen Lebensauffassung und bestechen durch folkloristische Farbigkeit. Der Maler reproduziert detailreich den Kosmos seines Gedächtnisses und schafft mit quirligen Figuren ein Welttheater in der Tradition der erzählfreudigen russischen Bilderbuchgrafik. Seine Kindheit hatte er in Böhmen verbracht, eine Textilfachschule besucht und als Musterzeichner in einer Seidenfabrik gearbeitet. Als 18jähriger wurde er zur Wehrmacht einberufen und drei Jahre später auf der Krim schwer verwundet. Zurück in Böhmen sind es dann die stillen Landschaften und märchenhaften Wälder, die die Wunden heilen helfen. Aber die Bilder des Krieges wurde er nie wieder los.

Außenseiter in der Kunst der DDR

Herbert Bergmann-Hannak ist kein Widerständler in der Kunst, aber mit seinem eigenbrötlerischen Temperament entzieht er sich jeglichen Formendebatten. Mit unverfälschten Beieinander von quer Gedachtem und Gestelltem erweisen sich seine Arbeiten als originäre Erscheinung abseits vom Strom jahrzehntelanger Kunstentwicklungen. Mit naiver Eigenwilligkeit lässt er in den Bildern wieder und wieder Erinnerungssplitter und Traumsequenzen wuchern, erfindet er freimütig eigene Paradiese und schafft einen lyrischen Zauber, der uns an die kleinen Wunder der Welt glauben lässt.

Ausstellungseröffnung

Freitag, 3. August 2012, 19:00 Uhr
Laudation: Dr. Simone Tippach-Schneider

Andreas Schmidt-Schaller liest Dario Fo

»Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu«
Donnerstag, 23. August 2012, 19.30 Uhr

Der Nobelpreisträger Dario Fo, einer der bekanntesten und international erfolgreichsten Dramatiker, erinnert sich an seine Kindheit und Jugend. Das Leben schreibt noch immer die besten Geschichten. Und Dario Fo erzählt in komödiantischer Meisterschaft die skurrile Geschichte seines Lebens. Das Leben in Armut und inmitten kleiner Gaunereien wird spätestens bei Kriegsausbruch zum Kampf ums Überleben. Zunächst aus der Perspektive des kleinen Jungen erzählt, berichtet Fo über erste Begegnungen mit der Malerei und dem Volkstheater. Schon früh zeigt sich eine klare politische Haltung, die später im Widerstand gipfelt.

Die Erzählungen von Dario Fo liefern in der Verdichtung der dargestellten Ereignisse, dem Stakkato der Texte und der klaren Parteinahme eine assoziative Entsprechung für die Bilderwelten und Figurenschöpfungen des Künstlers Herbert Bergmann-Hannak. Wie Dario Fo entfaltet der Maler seinen besonderen Stil und seine einzigartige Technik dadurch, dass er mit jeder neuen Arbeit auf aktuelle Geschehnisse eingeht.

Kartenvorbestellung unter 030. 33 02 80 95
(Eintritt: 8 Euro, nur mit bestätigter Reservierung)

Galeriegespräch

Freitag, den 31. August 2012, 17 Uhr
Simone Tippach-Schneider (geb. 1962) im Gespräch mit dem Künstler Herbert Bergmann-Hannak (geb. 1921)

Galerie Forum Amalienpark
www.amalienpark.de

Breite Str. 2a
13187 Berlin
Öffnungszeiten:
Di-Fr: 14–19 Uhr
Sa: 11–16 Uhr



Theaterbild „Kikeriki“, Sean O'Casey, Deutsches Theater 1987