Zossen, 
13.05.2017 - 02.07.2017

FRISCHE SPUREN: Gudrun Sailer - Plastik und Malerei

Wenn die Figuren zur Künstlerin sprechen, warum sollten sie nicht auch mit mir reden, denke ich. Gudrun Sailer reizen die Möglichkeiten, unterschiedliche Effekte durch die Struktur des Materials und seiner Bearbeitung zu erzielen. Die scheinbar gerissenen Oberflächen oder einzeln aufgerichteten Tonplatten verleihen ihren Kunstwerken oft genau jene Bruchstellen, die sie so vielschichtig machen.

Da ist zum Beispiel die Figur „Abwarten“ von 2013. Das Warten ist eine alltägliche und grundlegende Erfahrung, die aber so gar nicht in unsere beschleunigte Zeit passt. Begreift man Warten als geschenkte Zeit, kann es ein Freiraum für Reflexion und Kreativität sein. In der abwartenden Figur sind harte Kanten und weiche Massen ineinander gesetzt, und erzeugen eine Silhouette, die eher den Eindruck von Bewegung als von Abwarten vermittelt. Wie ein Objekt archäologischer Forschung spiegelt diese Form eine physische wie psychische (Soll-)Bruchstelle wieder und erinnert in seiner Ausführung auf die Rückführung des Menschen in den natürlichen Urzustand seines biologischen Körpers.

Über die Künstlerin und ihre Arbeiten spricht zur Eröffnung die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Simone Tippach-Schneider. Musik von Simon Jakob Drees, Violine und Stimme.

Geöffnet ist die Galerie von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr, auch an den Feiertagen.

Neue Galerie
Wünsdorf Waldstadt
Gutenbergstr. 1
15806 Zossen


„Abwarten“, Terrakotta, 2013, 55 x 40 x 35