Berlin, 
20.05.2012 - 01.07.2012

Akademie der Künste zeigt Werke von Otto Nagel

Im Schloss Biesdorf kann eine bemerkenswerte Auswahl von Ölbildern und Pastellen des Künstlers Otto Nagel besichtigt werden, die mit finanzieller Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung restauriert wurden. Die Akademie der Künste besitzt von diesem herausragenden Berliner Realisten des 20. Jahrhunderts bedeutende Werke aus allen seinen Schaffensperioden.

Sozialkritische Kunst

1919 malte Otto Nagel unter dem Einfluss der Werke von August Macke seine ersten Ölbilder und Aquarelle . Weil er sich an dem Berliner Märzstreik beteiligte, wurde er als Arbeiter der Bergmann-Borsig-Werke fristlos entlassen und arbeitete notgedrungen als freischaffender Künstler. Er wurde nicht nur Weggefährte von Käthe Kollwitz und Heinrich Zille, sondern mit beiden Künstlern verband ihn eine intensive Freundschaft. 1924 organisierte er im Kaufhaus Wertheim für die Künstlerhilfe eine Ausstellung und beteiligt sich u.a. an den Künstlermappen „Krieg“ und „Hunger“. Von ihm wurden Werke in Leningrad ausgestellt und in der Preußischen Akademie der Künste. Die Stadt Berlin kaufte erste Bilder. Weitere wichtige sozialkritische Ausstellungen, an denen sich Nagel in den 1930er Jahren beteiligte, waren u.a. „Sozialistische Kunst heute“ in Amsterdam und „Frauen in Not“ in Berlin. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, erhielt er Berufsverbot und kam zeitweise ins KZ Sachsenhausen. Seine sozialistisch-realistische Kunst wurde als „entartet“ eingestuft und Werke beschlagnahmt. Das Malen im eigenen Atelier wurde ihm untersagt. Deshalb verlagerte er seinen Arbeitsmittelpunkt auf die Straße, lief durch die Gassen, saß in Gartenlokalen und Parks. 1944 fiel sein Berliner Atelier mit sämtlichen Werke einem Bombenangriff zum Opfer.

Kulturpolitische Arbeit und Nachwuchsförderung

Nach dem Krieg engagiert sich Otto Nagel vorwiegend kulturpolitisch und übte eine Vielzahl an Funktionen aus, u.a. als Mitglied des Landtages Brandenburg, Abgeordneter der Länderkammer der DDR, Vorsitzender und Präsident des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands, Vizepräsident und Präsident der Deutschen Akademie der Künste und Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Er initiiert Ausstellungen, denn wichtiger als die eigene Kunst, schien ihm in dieser gesellschaftlichen Umbruchzeit, dass bedeutsame Künstler wie Otto Dix, Frans Masereel oder Otto Pankok in der DDR wahrgenommen werden. Er veröffentlichte Biografien über Heinrich Zille und Käthe Kollwitz, förderte die Aufnahme neuer korrespondierender Mitglieder der Akademie, darunter Diego Rivera, Paul Robeson und Igor Oistrach, er setzte sich für die Nachwuchsförderung in der Akademie ein und betreute mit Harald Metzkes, Ronald Paris und Rolf Schubert eigene Meisterschüler. Ruhe für die Malerei konnte er so nicht finden. Für die Zeit nach 1945 sind lediglich 65 Werke verzeichnet. Einige dieser Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen. Sie verdeutlichen den künstlerischen Ansatz im Spätwerk des Künstlers besonders eindrucksvoll.

Otto Nagel (1894-1967). Orte – Menschen
20. Mai bis 1. Juli 2012
Ausstellung im Schloss Biesdorf
Alt-Biesdorf 55, 12683 Berlin
Mo-Do 9.00 - 19.00 Uhr, Fr 9.00 - 16.00 Uhr

Katalogtitel u. Verwendung des Bildes von Otto Nagel: Gerda, 1933, Öl auf Leinwand, 79,5 x 60,0 cm
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Die Ausstellung der Akademie der Künste ist eine Kooperation mit der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. und dem BALL e.V.



Ausstellungskatalog, Akademie der Künste, Berlin 2012